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    Durch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein werden die KonsumentInnen getäuscht. Dies verhindert eine mündige Wahl an der Fleischtheke. Anders bei einer realistischen Abbildung der Haltungsbedingungen. Erst so können die KonsumentInnen eine bewusste Entscheidung treffen.

    Die Tierrechtsorganisation tier-im-fokus.ch (TIF) sowie die Petitionäre fordern den Bund auf, wahrheitsgetreue Fotos der Haltungsbedingungen auf den Verpackungen von Fleisch und Fleischerzeugnissen abzudrucken.

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Quelle: Info-Dossier Nr. 5/2009 Leder von tier-im-fokus.ch
Copyright: tier-im-fokus.ch
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Info-Dossier 5/2009 von tier-im-fokus.ch (tif)

Es gibt kaum eine andere Form tierlicher „Überreste“, die unseren Alltag dermassen durchdringt wie das Leder. Dass es sich bei diesen hochgradig verarbeiteten Produkten ursprünglich um die, wie es im Fachjargon heisst, „Körperhülle“ empfindungsfähiger Wesen handelt, gerät dabei leicht in Vergessenheit. Ebenso wenig ist den meisten von uns bewusst, dass die Herstellung von Produkten mit dem vermeintlichen Gütesiegel „Echt Leder“ ein kompliziertes Verfahren darstellt, das durchaus bedenkliche Auswirkungen auf die Umwelt, aber auch auf unsere Gesundheit hat.

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Leder: bloss ein Nebenprodukt?

Schuhe, Jacken, Hosen, Gürtel, Taschen, Koffer, Portemonnaies, Etuis, Sofas, Sessel, Sattel, Hundeleinen, Fussbälle: Leder, so die weit verbreitete Ansicht, sei bloss ein Nebenprodukt der Tierindustrie. Richtig daran ist, dass ein Grossteil des weltweit verarbeiteten Leders – nämlich über 80 % – von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen und Schweinen stammt und damit von Tieren, die in erster Linie zum Zwecke der menschlichen Ernährung genutzt werden.

Dabei wird die überwiegende Mehrheit dieser Tiere unter intensiven Bedingungen gehalten. Niemand wird heutzutage bestreiten können, dass das Leder unserer Schuhe, Taschen oder Sofas v.a. von Tieren stammt, die in Massentierhaltungen eingesperrt, gemästet und geschlachtet wurden.

Sofern es sich beim Leder tatsächlich ‚bloss’ um ein Nebenprodukt der Tiernutzung handelt, ist es entsprechend als Glied in der langen Kette eines fragwürdigen Umgangs mit „Nutztieren“ zu betrachten. Zumindest von einem moralischen Standpunkt aus dürfte es kaum möglich sein, den Konsum von Lederprodukten vollständig von Problemen der Tiernutzung abzukoppeln.

Mag ein Grossteil des Leders von Tieren stammen, die auch für andere Zwecke vorgesehen sind: Nicht in jedem Fall handelt es sich dabei um ein Produkt, das ohnehin – also „nebenher“ – anfällt.

Es gibt Tierarten, die vorwiegend oder ausschliesslich wegen ihrer Haut gejagt und zur Strecke gebracht werden, darunter Krokodile, Alligatoren, Eidechsen, Schlangen, Tiger, Leoparden, Zebras oder Elefanten. Einige davon sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA oder CITES) geschützt. Andere werden unter häufig artwidrigen Bedingungen auf engstem Raum in Zuchtfarmen aufgezogen, und ihr einziger Sinn ist es, in ein Luxusprodukt „verwandelt“ zu werden.

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“Made in China, India etc.”

Oft verbindet man mit dem Ausdruck „Nebenprodukt“ etwas, das bei der Herstellung einer Ware unerwünschterweise anfällt. Im Falle von Lederprodukten trifft dies nicht zu: die Lederindustrie ist ein einträgliches Geschäft. Laut Angaben der Europäischen Kommission haben die 3.700 in der EU ansässigen Unternehmen im Jahre 2006 einen Umsatz von 10.6 Milliarden Euro erzielt (vgl. EC 2008). [1]

Allerdings hängen die Unternehmen in der EU stark von den globalen Märkten ab. So wurde im Jahr 2008 wurden aus Brasilien – einem Land mit geschätzten 170 Millionen Rindern – Lederwaren im Wert von knapp 2 Milliarden US-Dollar exportiert, ein beachtlicher Anteil ging nach Italien. Allein nach Deutschland werden jährlich Lederprodukte im Wert von 430 Millionen Euro eingeführt, der grösste Teil stammt aus China, mittlerweile Lederproduzent Nummer eins (vgl. Lachmann 2005). Schätzungen zufolge sind rund die Hälfte der 400 Millionen Schuhe, die von der deutschen Bevölkerung jedes Jahr gekauft werden, “Made in China” (das sind im Schnitt fünf Paar pro Person). Der Rest stammt überwiegend aus anderen asiatischen Ländern wie Thailand, Japan, Vietnam oder Indien, das ebenfalls zu den grössten Exportländern gehört. Allein in die USA werden jährlich Lederprodukte im Wert von 100 Millionen Dollar aus dem „Land der heiligen Kühe“ eingeführt.

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Dass heutzutage die meisten dieser Produkte aus Schwellen- bzw. Entwicklungsländern stammen, hat einen Grund: Die Herstellung von Leder ist ein kostspieliges sowie umweltbelastendes Unterfangen und lässt sich in Ländern mit niedrigem Lohnniveau und geringen ökologischen Auflagen viel kostengünstiger realisieren (s.u.). Deutsche Importeure bezahlen für ein Paar Schuhe aus China beispielsweise keine 5 Euro (vgl. Frühschütz 2008).

Doch stellen diese Billigwaren für jene, die sie produzieren, ein erhebliches Risiko dar. Bereits Ende der 1990er Jahre war zu lesen, dass ein Grossteil des auch in der Schweiz verkauften Leders von indischen Kindern hergestellt wird, die infolge des Umgangs mit giftigen Chemikalien erkranken – eine Situation, die sich bis heute nur unwesentlich verbessert hat (vgl. Brockmann 2000; Bellwinkel-Schempp 2006).

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Wie entsteht Leder?

„Es genügt leider nicht, einem Tier einfach die Haut abzuziehen und sich das Ganze dann umzuhängen.“

In der Tat: Die Herstellung von Leder ist, wie diese wenig sinnreiche Bemerkung aus der Broschüre eines Gerberei-Unternehmens verrät, eine aufwändige Angelegenheit. Dabei führt der Weg von der Haut des getöteten Tieres bis zum Lederprodukt im Warenhaus durch so manchen Trog aus hunderterlei Chemikalien (vgl. ausführlich Hegenauer 2001):

  • Konservierung: Bevor die Tierhaut in die Gerberei kommt, muss sie konserviert werden. Dazu werden chemische Salze verwendet. Bereits in dieser Phase kommen Biozide und Fungizide zum Einsatz, um Schimmel und Fäulnis vorzubeugen, so u.a. das vielerorts seit Jahren verbotene PCP (Pentachlorphenol).
  • Reinigung: In einem nächsten Schritt wird die Tierhaut in verschiedenen Waschlösungen gereinigt, die aus Natriumcarbonat und Natriumsulfid bestehen. Dann wird die Tierhaut enthaart, indem sie in eine Lauge von von Natriumhydrogensulfid in eingelegt wird. Beide Sulfide werden als problematisch eingestuft, da sie eine umweltrelevante H2S-Belastung aufweisen. Aus diesem Grund muss die Lauge einer Kläranlage zugeführt werden
  • Gerbung: Das Gerben selbst kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Die traditionelle Gerbung mit pflanzlichen Stoffen – sie wurde bereits 5000 v. Chr. in Ägypten angewendet – ist für die Umwelt und Gesundheit der KonsumentInnen zwar weniger belastend, jedoch aufwändiger und dadurch auch teurer (s.u.). Sie wird entsprechend nur selten praktiziert, ebenso wie die sogenannte Sämischgerbung, bei der tierliche Fett, Fischtran oder Hirnmasse eingesetzt wird. Die heute bevorzugte Methode ist die Mineralgerbung mit Chromsalzen. Bereits vor zehn Jahren stammten 80% aller Lederbekleidungsstücke aus der Chromgerbung, die restlichen 20% kamen aus der Pflanzengerbung oder einer Mischform aus diesen beiden Verfahren (vgl. Wahrenberg 1998). Der Zweck der Chromgerbung besteht darin, die Tierhaut widerstandsfähiger (aber doch geschmeidig genug) zu machen. Zudem soll dadurch verhindert werden, dass sie bei höheren Temperaturen verschleimt. Neben Chrom-III-Salze werden in dieser Phase der Herstellung auch Aluminiumsalze verwendet sowie eine Reihe von Fungizide, die für die Umwelt allesamt belastend oder gar giftig sind.
  • Färbung: Schliesslich kommt es zur Endbehandlung, die u.a. die Färbung des Leders mit Azofarbstoffen (z.B. Benzidin) umfasst. Daraufhin wird das Leder geölt, bevor – wie es in der Expertensprache heisst – Finish und Coating aufgebracht werden. Diese Verfahren werden mit einer Lösung aus Polyacrylaten, Polyurethanen oder Polyvinylchlorid durchgeführt. Da sie aus 10 % Feststoffanteilen und 90 % Lösungsmitteln besteht, ergeben sich bei diesem letzten Arbeitsschritt hohe Emissionen.

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Leder: Natur pur?

Die einzelnen Schritte der Herstellung von Leder lassen es bereits erahnen: Von einem Produkt, das uns „ein Stück Natur in unser Wohnzimmer bringt“ (so das Versprechen eines Ledersofa-Produzenten) kann nicht die Rede sein.

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Gerberei in Marokko © Matthias Beuder

Als ökologisch problematisch gelten u.a. Substanzen, die bei der Chromgerbung ins Abwasser gelangen, so z.B. chemische Salze und Schwermetalle wie Zink, Cadmium, Arsen und Chrom-III-Salze, von denen Fachleute annehmen, dass sie sich unter gewissen Voraussetzungen in die 1.000 mal giftigeren Chrom-VI-Salze umwandeln können (vgl. Tappler 1996; Loosen 2003).

Auch die Entsorgung des mit Chrom angereicherten Klärschlamms ist ein Problem, da die Deponie der Lederabfälle zu einer übermässigen Anreicherung führten. Allein in Deutschland fallen pro Jahr 17.000 Tonnen Lederfalzspäne an, die mit Chrom III belastet sind. Eine Verbrennung der Produkte ist ökologisch gesehen nicht wünschenswert, da giftige Umwandlungsstoffe entweichen können, und Recycling ist bisher nur mit hohem Aufwand möglich.

Nicht zuletzt erweist sich auch die Entsorgung von alten oder verbrauchten Lederprodukten als problematisch. So entstehen in Deutschland pro Jahr rund 160.000 Tonnen Sondermüll allein durch die Entsorgung von Schuhen, Jacken und Polstermöbel aus Leder. [2]

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Ist “Öko-Leder” möglich?

Dass es sich bei Lederprodukten tatsächlich um eine Art von Sondermüll handelt, wird zunehmend eingeräumt. Entsprechend häufen sich die Empfehlungen für die Herstellung von „ökologisch unbedenklichem Leder“. Sie betreffen u.a. die Verwendung von Tierhäuten aus artgerechter Haltung, ökologisch vertretbare Transportwege, Abwasserqualität, alternative Gerbverfahren oder den Einsatz von schadstofffreien Farben.

Gerbereiunternehmen, die unter solchen Bedingungen produzieren, sind allerdings rar (vgl. Vougiouskas 2008).

Zum einen ergeben sich Hindernisse logistischer Art. So ist es praktisch unmöglich, die Häute von „Bio-Tieren“ getrennt zu erfassen, da die Menge zu klein ist und die Konservierung bis zur Verarbeitung zu aufwändig; sie werden somit zusammen mit dem „Material“ aus konventionellen Massentierhaltungen verwertet (vgl. Frühschütz 2008). [3]

Zum anderen sind alternative Gerbverfahren – so v.a. die pflanzliche Gerbung – ungleich zeitaufwändiger sowie kostenintensiver. Bereits bei der gebräuchlichen Methode der Chromgerbung machen die Kosten für die Einhaltung von Umweltschutzvorschriften bis zu 5% der Gesamtbetriebskosten aus (vgl. EC 2008).

Schliesslich bezweifeln gewisse Fachleute, dass es sich bei der Pflanzengerbung tatsächlich um ein ökologisch vertretbares Verfahren handelt. Das betrifft v.a. Gerbstoffe aus Mimosa oder Quebracho, die besonders häufig verwendet werden. Letzerer ist ein in Südamerika wildwachsender Baum, der ca. 150 Jahre alt sein muss, damit er ausreichend Gerbstoffe enthält. Bereits vor zehn Jahren galt sein Bestand an einigen Standorten infolge Übernutzung durch die Lederindustrie als „gefährdet“ (Wahrenberg 1998).

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Zu Risiken und Nebenwirkungen

Dass chemische Gerbverfahren für den Menschen gesundheitliche Risiken bergen können, ist seit längerem bekannt (vgl. Tappler 1996). In den vergangenen Jahren wurden diese Auswirkungen eingehender untersucht.

Dabei haben Studien ergeben, dass die unterschiedlichen Prozesse der Lederproduktion Schadstoffe verursachen, die Leber, Nieren und das Nervengewebe schädigen (z.B. Chlorphenole bei der Konservierung) oder krebserzeugend wirken können (z.B. aromatische Amine wie Benzidin bei der Färbung) (vgl. Lachmann 2005). [4]

Als besonders problematisch wird das sechswertige Chrom (Chrom VI) betrachtet. Zwar werden in EU-Ländern überwiegend Chrom-III-Salze verwendet, doch finden sich in den Produkten vermehrt Rückstände des hochgiftigen Chrom VI.

Zum einen ist dieser Befund darauf zurückzuführen, dass sich Chrom III unter bestimmten Bedingungen in Chrom VI umwandeln kann (vgl. Geier et al. 2004). Zum anderen wurde die Lederproduktion in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend in Schwellen- und Entwicklungsländern verlagert – und damit in Regionen, die zumeist aus ökonomischen Gründen nicht auf alternative Gerbmittel zurückgreifen können.

Insbesondere Lederprodukte, die in mehr oder weniger direktem Kontakt mit der menschlichen Haut stehen (so etwa Uhrenbänder, Schuhe und Handschuhe) werden mittlerweile als prekär eingestuft, falls sie Chrom-VI-Rückstände enthalten. Nach Meinung der Fachleute weisen solche Verunreinigungen ein krebserregendes und erbgutschädigendes Potenzial auf und gelten zudem als starkes Allergen (vgl. KLZH 2007).

Neuerdings empfiehlt auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für den Einsatz von Chrom VI „ein Verbot von 3 Milligramm pro Kilogramm in Lederprodukten des täglichen Bedarfs“ (vgl. BfR 2007). Diese Empfehlung beruht auf Untersuchungen, bei denen in mehr als der Hälfte der geprüften Lederprodukte Chrom VI nachgewiesen wurde, wobei bei einem Sechstel der Proben der Gehalt oberhalb von 10 mg/kg lag (vgl. Ranft 2007).

In einer anderen Erhebung vom Kantonalen Labor Zürich mussten von insgesamt 11 Lederprodukten deren 5 wegen zu hoher Abgabe von Chrom VI beanstandet werden; die Werte bewegten sich zwischen 17 bis 111 mg/kg (vgl. KLZH 2007). Auch in Dänemark ergab eine Stichprobe, dass 15 von 43 Lederprodukten Chrom-VI-Gehalte aufwiesen; sie lagen teilweise deutlich über der zulässigen Menge von 3 mg/kg lagen, wie Tabelle 1 zeigt.

Tabelle 1: Stichprobe des Chrom-VI-Gehalts in Lederprodukten des alltäglichen Gebrauchs (Auswahl); Quelle: Hansen et al. 2002

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Alternativen zum Leder

Leder ist keine Ware, auf die der Mensch normalerweise angewiesen ist. Tatsächlich gibt es im freien Handel oder bei spezialisierten Versandhäusern immer mehr Alternativen zu jeder Sorte von Lederprodukten, seien es Jacken, Gürtel, Taschen, Portemonnaies oder auch Schuhe.

Als pflanzliche Alternativen gelten u.a. Baumwolle, Hanf und Leinen, wobei empfohlen wird, Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau zu kaufen. Synthetische Alternativen sind Nylon, Vinyl, Alcantara sowie diverse Recyclingstoffe.

Bei Produkten, die wasserfest sein sollten, sind bislang Anteile von Kunstfasern kaum zu vermeiden. Im Vergleich zu Lederprodukten weisen einige der synthetischen Materialien in etwa die gleiche Umweltverträglichkeit auf. Spezialisierte Unternehmen für lederfreie Produkte richten ihre Firmenpolitik überdies häufig nach den Prinzipien des fairen Handels aus.

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Zusammenfassung

Oft wird der Verzicht auf Lederprodukte als „übertrieben“ oder „radikal“ empfunden und mit einer angeblich sektiererischen Haltung vegan lebender Menschen in Verbindung gebracht.

Stellt man in Rechnung, woher der „Rohstoff“ für diese Produkte stammt, wie er verarbeitet wird und welche Auswirkungen sich daraus ergeben können, dürfte sich eine solche Einschätzung allerdings kaum rechtfertigen lassen. Lederprodukte werden aus Tieren gewonnen, die unter moralisch fragwürdigen Umständen gehalten und getötet werden, sie werden häufig in ökonomisch benachteiligten Regionen hergestellt, sie belasten die Umwelt und können für den Menschen gesundheitschädigend sein.

Diese Faktoren dürften in einer Gesamtbilanz für oder wider den Kauf von Lederwaren umso schwerer wiegen, als wir auf Produkte dieser Art keineswegs angewiesen sind und Alternativen fast immer zur Verfügung stehen.

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Fussnoten

[1] Nichtsdestotrotz reagiert auch dieser Zweig der Tierindustrie sensibel auf die jeweilige Wirtschaftslage, wie die gegenwärtige Krise der Automobilbranche zeigt. So vermeldete im April 2009 die Reichmuth Fleischwaren AG in Schwyz (CH), dass sie die Fleischpreise laufend anpassen müsse, um die durch diese Krise verursachten Ertragsausfälle zu kompensieren (vgl. 20 Minuten vom 6. April 2009). Immerhin wird für die Auto-Innenausstattung in erster Linie Kuhleder verwendet. In der Schweiz erzielen Schlachthäuser mit 800.000 Häuten im Schnitt 60 Millionen Franken.

[2] In ökologischer Hinsicht ist ferner zu bedenken, dass Lederprodukte bloss ein Glied in einer langen Kette der Verarbeitung von Tieren in Gebrauchsartikel darstellen; zu den weltweiten ökologischen Auswirkungen der Nutztierhaltung vgl. Info-Dossier Nr. 4/2009 Nutztiere und Klimawandel.

[3] Dieses logistische Problem wird von vielen Gerbereien beklagt. Dabei geht es in erster Linie um die Lederqualität, denn: „Massentierhaltung und unsachgemässe Verladung der Tiere hinterlassen ihre Spuren in der Tierhaut. Grossflächige, offene Stich- und Kratzwunden sorgen für mindere Qualitäten und Wertverluste (…). Die Haut von artgerecht gehaltenen Tieren dagegen zeigt andere Merkmale: Narben von Dornenbüschen, Insektenstichen, Spuren von Rangkämpfen oder von Stacheldrahtrissen. Sie machen die Haut unverwechselbar und geben dem Kleidungs- oder Möbelstück eine individuelle Note – vorausgesetzt, der Käufer sieht das ebenso.“ (Wahrenberg 1998).

[4] Rückstände von Schadstoffen werden mitunter auch bei sog. „Naturwarenhersteller“ nachgewiesen (vgl. Lachmann 2005). Das hat u.a. damit zu tun, dass die meisten dieser Firmen ihre Lederprodukte in einem Mischverfahren von Pflanzen- und Chromgerbung herstellen; vgl. die Liste in Loosen 2003.

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Quellen

Bellwinkel-Schempp, M. (2006), Auf leisen Sohlen: Lederproduktion in Indien, Evangelische Akademie, Bad Boll.

BfR (2007), Allergie auslösendes Chrom (IV) in Lederprodukten, Stellungnahme des Bundesamts für Risikobewertung Nr. 017/2007.

Brockmann, H. (2000), Wenn das nicht unter die Haut geht, in: Vegi-Info 2/2000.

EC (2008), Was die Lederindustrie für den Umweltschutz tut, Bericht der Europäischen Kommission.

Frühschütz, L. (2008), Mehr als schick und bequem, in: Schrot & Korn 1/2008.

Geier, J. et al. (2004), Chromatgehalt in Schutzhandschuhen und in Fussschutz, in: Technische Überwachung 5/2004.

Hansen, M. B. et al. (2002), Quantitative aspects of contact allergy to chromium and exposure to chrome-tanned leather, in: Contact Dermatitis 47/2002.

Hegenauer, H. (2001), Fachkunde für Lederverarbeitende Berufe, Essen.

KLZH (2007), Gefährliches Leder, Bericht des Kantonalen Labors Zürich vom 5. September 2007.

Lachmann, E. (2005), Lederhandschuhe, in: Öko-Test 12/2005.

Loosen, M. (2003), Gutes Gerben, böses Gerben, in: Schrot & Korn 8/2003.

Ranft, D. (2007), Chrom lässt Füsse glühen, in: Medical Tribune 28/2007.

Tappler, P. (1996), Gesundheitsgefährende Chemikalien in Lederprodukten unter besonderer Berücksichtigung des Konsumentenschutzes, Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie, Wien.

Vougiouskas, J. (2008), Einsam in China, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 65 vom 17. März 2008.

Wahrenberg, A. (1998), Leder: Auf die Gerbung kommt es an, in: Schrot & Korn 1/1998.

 

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