Nutztiere und Klimawandel
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Quelle: Info-Dossier Nr. 4/2009 Nutztiere und Klimawandel von tier-im-fokus.ch
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Info-Dossier 4/2009 von tier-im-fokus.ch (tif)
Wenn wir an die Hauptursachen der Klimaerwärmung denken, rücken sofort Transport und Elektrizitätsverbrauch im Haushalt in den Vordergrund. Dabei wird häufig vergessen, dass die Nutztierhaltung weltweit für 18 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich ist, mehr als alle Wegtransporte zusammengerechnet. Die Nutztierhaltung verursacht einen beträchtlichen Anteil des globalen CO2-Ausstosses, 37 Prozent sind es bei Methan, 65 Prozent bei Lachgas und gar 68 Prozent bei Ammoniak. Höchste Zeit, die Nutztierhaltung bei Klimadebatten ins Zentrum zu rücken.
- Herausforderung Klima
- Nutztiere und Klima – kein Thema?
- Tropenwälder, Sojabohnen und Veredelungsverluste
- Gefährliche Rülsper: Methan
- Langlebig giftig: Lachgas
- Gülle, Mist und Ammoniak
- Fazit
- Konsequenzen
- Quellen
- Weitere Info-Dossiers und Materialien zum Thema

Klimasünder ersten Ranges? © dpa
Herausforderung Klima
Der Klimawandel ist in aller Munde, er zählt zu den grössten Herausforderungen unserer Zeit. Um die globale Erwärmung auf ein verträgliches Mass zu begrenzen – darin sind sich die Experten einig –, gilt es, den Ausstoss an Treibhausgasen zu stabilisieren und anschliessend markant zu senken.
Schwankungen des Klimas hat es zwar immer schon gegeben. So herrschte in Europa noch zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert die sog. „Kleine Eiszeit“; die Winter waren damals länger und ungleich kälter als im Vergleich zu den vergangenen Jahrhunderten.
Nach 1800 aber – und damit seit Beginn der industriellen Revolution – wurde es in Mitteleuropa immer wärmer. Besonders ausgeprägt war dieser Temperaturanstieg in den beiden letzten Jahrzehnten des 20. Jh., in denen die wärmsten Jahre seit Beginn der regelmässigen Wetteraufzeichnungen vor gut 250 Jahren gemessen wurden (vgl. Reichholf 2006, S. 129f.). Es gilt als erwiesen, dass dieser Temperaturanstieg massgeblich durch den Menschen verursacht wurde, der zu einem grossen Teil für die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.
Um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, rufen Klimaforscher aus aller Welt dazu auf, die Emission von Treibhausgasen bis 2050 um mindestens 50% zu senken (vgl. Rahmstorf 2006). Wird nichts dagegen getan, so rechnet man allein infolge der Auswirkungen des Klimawandels mit volkswirtschaftlichen Verlusten von 5-20% des globalen Bruttoinlandprodukts (bis 5.500 Milliarden Euro pro Jahr). Die Kosten zur Vermeidung der schlimmsten Folgen werden dagegen lediglich auf 1% geschätzt (ca. 300 Milliarden Euro pro Jahr) (vgl. Stern 2006).
Im Zentrum der Debatte steht die Zunahme von Kohlendioxid (CO2); sie wird auf die Verbrennung fossiler Energien zurückgeführt. Entsprechend kreist die Diskussion um eine CO2-Reduktion in Studien wie auch in den Massenmedien immer wieder um den Elektrizitätsverbrauch im Haushalt und vor allem um Transport und Verkehr.
„Wohnen und Mobilität sind die wichtigsten Einflussbereiche, um das private CO2-Budget zu entlasten“, heisst es denn auch in einer Ausgabe des Magazins „Umwelt“ des Eidgenössischen Bundesamts für Umwelt (BAFU) aus dem Jahre 2008 mit dem Untertitel Herausforderung Klima.
Doch sind Wohnen und Mobilität tatsächlich die einzigen Bereiche, in denen wir alle etwas zum Klimaschutz beitragen können?
Nutztiere und Klima – kein Thema?
In der besagten Dokumentation des BAFU ist zudem von der Ernährung die Rede: „Fleischarm essen entlastet das Klima“, ist dort nachzulesen. Allerdings macht dieser Eintrag gerade einmal eine halbe Spalte des immerhin 71-seitigen Heftes aus (vgl. BAFU 2008, S. 19).
Das ist kein Sonderfall. Die meisten Berichte zum Klimawandel sparen diesen Bereich – Herstellung und Konsum tierlicher Produkte – weitgehend aus, wenn es um die Ursachen, Folgen und Auswirkungen des Klimawandels geht.
Dass es sich dabei keineswegs um ein marginales Phänomen handelt, ist inzwischen durch unzählige Studien eindrücklich belegt – darunter der 2006 von der Welternährungsorganisation (FAO) publizierte 400-seitige Bericht über den Zusammenhang zwischen Viehwirtschaft und Klimawandel (FAO 2006).
Diese Untersuchungen sprechen eine deutliche Sprache: Die globale wie nationale Tierindustrie hat einen massgeblich negativen Einfluss auf den Klimawandel!
Tropenwälder, Soja und Veredelungsverluste
Ist von der Emission von Treibhausgasen die Rede, steht in den meisten Berichten der Ausstoss von Kohlendioxid (CO2) im Zentrum und damit die Verbrennung fossiler Brennstoffe v.a. im Wohn- sowie Transportsektor.
Der Anteil der Nutztierhaltung zum weltweiten Nettoausstoss von CO2 wird dabei – so er überhaupt Erwähnung findet – meist als „gering“ erachtet (z.B. NAT/ 384 2008). Diese Einschätzung lässt allerdings ausser Acht, dass v.a. die Viehwirtschaft zumindest indirekt eine bedeutende Quelle für den Nettoausstoss von CO2 darstellt (meistens werden die Emissionen in CO2-Äquivalenten angegeben (so auch in diesem Text). Diese Umrechnung soll die verschiedenen Treibhausgase miteinander vergleichbar machen. Zum Beispiel entspricht 1 Tonne Methan 21 Tonnen CO2-Äquivalenten, was bedeutet, dass diese Tonne Methan ebenso viel zum Treibhauseffekt beiträgt wie 21 Tonnen Kohlendioxid):

Rinderplanet mit Sojabergen © Greenpeace
(1) Die Umwandlung riesiger Flächen von Tropenwäldern in Weideland hat hinsichtlich des CO2-Ausstosses erhebliche Folgen für das Klima der Erde. Solche Wälder weisen pro Hektar eine Gesamtbiomasse von 1.000 Tonnen auf. Wird ein Quadratkilometer verbrannt und in Viehweiden umgewandelt, entweicht der Kohlenstoff, der in 100.000 Tonnen Biomasse gebunden ist, als CO2 in die Luft (vgl. dazu Reichholf 2006, S. 169). Dieser Befund ist bedeutsam, wenn man bedenkt,
- dass bisher 70 Prozent des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden benutzt wurden (gemäss Angaben eines 2004 von der Weltbank herausgegebenen Berichts sind es fast 90 Prozent; vgl. Margulis 2004). Ein Grossteil der restlichen 30 Prozent wird für den Futtermittelanbau verwendet (s.u., [2]). Gemäss FAO sind zwei Drittel des brasilianischen CO2-Ausstosses durch Kahlschlag und Brandrodung im Amazonas verursacht.
- dass die Viehhaltung heute insgesamt 30 Prozent der Erdoberfläche (= 3.433 Mill. Hektaren) einnimmt. Dabei werden 78 Prozent der weltweit landwirtschaftlich genutzten Fläche für die Nutztierhaltung verwendet; und 33 Prozent (= 471 Mill. Hektaren) des weltweit kultivierten Landes werden für den Futtermittelanbau benutzt (FAO 2006, S. 272; FAOStat 2008).
- dass sich die globale Fleisch- und Milchproduktion namentlich durch staatliche Unterstützung in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts schätzungsweise verdoppeln wird, und zwar auf 465 Millionen Tonnen pro Jahr für Fleischerzeugnisse (heute 229 Millionen Tonnen) und auf 1.043 Millionen Tonnen pro Jahr für Milchprodukte (heute 580 Millionen Tonnen; vgl. Holm & Jokkola 2009, S. 7). Allein in der Schweiz wurden 2007 gemäss Proviande insgesamt 465.000.000 kg Fleisch konsumiert (vgl. Proviande Jahresbericht 2007).
(2) Ein weiterer, oftmals unterdrückter Faktor im Zusammenhang mit dem erhöhten Verbrauch fossiler Brennstoffe ist die Tatsache, dass das Futtermittel, das angepflanzt wird, um Nutztiere zu ernähren, immer grössere Transportwege zurücklegt.
Um bloss das bekannteste Beispiel zu nennen: In Brasilien hat sich der Anbau des Futtermittels Nr. 1, d.h. der proteinreichen Sojabohne bereits zwischen 1965 und 1997 verfünfzigfacht. Heute steht Brasilien für 26 Prozent der weltweiten Sojaproduktion, wobei rund 80 Prozent des Ertrags v.a. nach Europa exportiert wird (in Brasilien leiden gegenwärtig 32 Millionen Menschen an Unterernährung) (FAO 2006, S. 43). So wurden in Schweden 2006 insgesamt 291.883 Tonnen importierte Sojabohnen als Futterware verwendet (Holm & Jokkola 2009, S. 10) und auch in der Schweiz werden jährlich rund 160.000 Tonnen Kraftfutter an Nutztiere verfüttert (vgl. Futtermittelbilanz des Bundesamts für Statistik, 2004).
(3) Es gilt als erwiesen, dass pflanzliche Produkte bis zu 20-mal weniger fossile Energie benötigen als ihre tierlichen Pendants wie Fleisch, Milch oder Eier (vgl. z.B. Pimentel & Pimentel 2003).
Tabelle 1: Treibhausgas-Emissionen bei tierlichen und pflanzlichen Lebensmitteln (Deutschland); Quellen: Öko-Institut, zit. in Pendos CO2-Zähler 2007, S. 28f; vgl. auch die Daten bei StMUGV 2007, S. 6.

Hinzu kommt, dass die in der Futterpflanze enthaltene Nahrungsenergie grösstenteils durch den Erhaltungsstoffwechsel der Tiere abhanden kommt, was gemeinhin als Veredelungsverluste bezeichnet wird:
Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man (je nach Tierart) 7-16 kg Getreide bzw. Soja. Dabei gehen 89-97 Prozent der eingesetzten Futterenergie, 80-96% des Proteins, 99 Prozent der Kohlenhydrate sowie 100 Prozent der Ballaststoffe verloren (vgl. Smil 2002).
Dennoch wird der Grossteil des Getreides bzw. der Soja an Nutztiere verfüttert; in den USA sind es 80 Prozent der Getreideernte, in der Schweiz liegt der Anteil bei 66 Prozent (vgl. SVV 2008, S. 5).
In Anbetracht dieser Tatsachen geht man davon aus, dass 9 Prozent der globalen Kohlendioxidabgabe, die von menschlicher Aktivität stammt – sie wird auf 33 Milliarden Tonnen pro Jahr geschätzt –, auf die Nutztierhaltung zurückzuführen ist (FAO 2006, S. 112).
Gefährliche Rülpser: Methan
Neben Kohlendioxid (CO2) werden im Kyoto-Protokoll von 1997 vier weitere bedeutende Treibhausgase genannt, wobei das Methan (CH4) zunehmend an Aufmerksamkeit gewinnt.
Dabei handelt es sich um ein Gas, das pro Gewichtseinheit einen 21-mal grösseren Einfluss auf die globale Erwärmung hat als CO2. Mit anderen Worten trägt eine Tonne Methan ebenso viel zum Treibhausgaseffekt bei wie 21 Tonnen Kohlendioxid. In den letzten 200 Jahren hat sich der Methan-Gehalt in der Atmosphäre verdoppelt.
Gegenwärtig macht Methan mit ca. 330 Millionen Tonnen pro Jahr rund 22 Prozent der vom Menschen produzierten Treibhausgase aus. Davon gehen nach Schätzungen der FAO 37 Prozent allein zulasten der Nutztierhaltung (FAO 2006, S. 82); 1990 wurde der Anteil vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) noch auf 20 Prozent geschätzt (IPCC 1990).
Als „Hauptverantwortliche“ gelten nachweislich Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen, welche die im Magen beim Abbau der Nahrung entstehende Essigsäure in Methan umwandeln (vgl. Mackensen 2008).
Man geht davon aus, dass eine einzige Kuh im Durchschnitt 600 Liter Methan pro Tag produziert. Damit ergibt sich laut Studien eine Gasbildung im Darm (Flatulenz), die alle 40 Sekunden auftritt, was bei über 3 Milliarden Wiederkäuern 80% der Methan-Emissionen in der Landwirtschaft entspricht (FAO 2006, S. 82; Paustian et al. 2006). Darüber hinaus entsteht Methan auch bei der Lagerung von Stallmist und Jauche (vgl. Schlatzer 2007, S. 9).
Langlebig giftig: Lachgas
Ein weiteres prekäres Treibhausgas, das im Kyoto-Protokoll genannt wird, ist Distickstoffoxid (N2O), auch „Lachgas“ genannt. Es ist, berechnet auf hundert Jahre, über 300-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid (CO2) (FAO 2006, S. 82).
Man geht davon aus, dass die Lachgas-Emissionen gegenwärtig ‚nur’ bei 13 Millionen Tonnen pro Jahr liegen, was aber einem CO2-Äquivalent von 4 Milliarden Tonnen entspricht (vgl. WWF 2007).
Lachgas kann auf unterschiedliche Weise entstehen, wenn Stickstoff mit Sauerstoff reagiert. Die Tierindustrie gilt nachweislich als Hauptverursacher dieser Treibhausgase. Teils wird Stickstoff von den Düngemitteln freigegeben, die verwendet werden, um Futterpflanzen für Nutztiere anzubauen; teils rührt die Freigabe von Stickstoff vom Urin und den Exkrementen bei der Lagerung von Mist her.
Nach Schätzungen der FAO ist die Landwirtschaft bzw. Nutztierhaltung derzeit für 65 Prozent aller N2O-Emissionen verantwortlich, die durch menschliche Aktivitäten bewirkt werden. Die Kommission geht davon aus, dass es in Zukunft zu einer bedeutenden Erhöhung dieser Art von Emission seitens der Tierindustrie kommt (vgl. FAO 2006, S. 114; Paustian et al. 2006).
Gülle, Mist und Ammoniak
Auch die Emissionen von Ammoniak entstehen mehrheitlich durch das Ausdünsten des Urins und der Exkremente von Nutztieren. Oft wird darauf hingewiesen, dass Ammoniakverunreinigungen im Gegensatz zu den obgenannten Faktoren eher ein lokales Problem darstellen, was bis zu einem gewissen Grad richtig ist (FAO 2006, S. 114; BUWAL 2002).
Dennoch verursachen auch diese Emissionen grosse Probleme. So beeinträchtigen sie methanabbauende Bakterien im Boden und vermindern damit eine Senkung des atmosphärischen Methans. Insbesondere aber schädigt NH3, wird es vom Wind verfrachtet, den Wald, es versauert den Boden und ‚überdüngt’ die Gewässer (vgl. SVV 2008, S. 6ff.). Eine Folge davon ist u.a. die verstärkte Freisetzung von Distickstoffoxid (N2O) aus den Böden.
Studien schätzen die durch menschliche Aktivitäten verursachte Emission von NH3 auf jährlich 47 Millionen Tonnen. 94 Prozent davon kommen vom Landwirtschaftssektor, wobei 68 Prozent der Ammoniak-Emissionen aus diesem Sektor direkt der Nutztierhaltung angelastet werden (FAO 2006, S. 114).
Allein in Österreich werden durch die Nutztierhaltung jährlich über 68.000 Tonnen Ammoniak freigesetzt, das sind 86 Prozent der gesamten österreichischen NH3-EmissionenIn der Schweiz wurden im Jahr 2007 insgesamt 51.300 Tonnen Stickstoff in Form von Ammoniak emittiert. Davon stammten 94 Prozent aus der Landwirtschaft. Von diesen Emissionen gingen 89 Prozent auf das Konto der Viehhaltung. Dagegen wurden 11 Prozent durch den Pflanzenbau verursacht, und zwar insbesondere infolge des Einsatzes von Mineraldünger (vgl. Kupper & Menzi 2009).
Fazit
Bei etlichen Treibhausgasen, die von offizieller Seite als klimaschädigend eingestuft werden, spielt die Nutztierhaltung eine unbestritten signifikante Rolle. Das gilt selbst für CO2, bei dem sich der Prozentsatz der Tierindustrie am weltweiten Anteil des Treibhauseffekts (55 Prozent) auf 9 Prozent beläuft. Im Falle von Methan, Lachgas und Ammoniak wird der überwiegende Anteil der Emissionen durch die Tierindustrie verursacht.
Tabelle 2: Weltweiter Anteil der Umweltbelastung durch Nutztierhaltung in %; Quelle: FAO 2006

Bezogen auf alle vom Menschen verursachten Treibhausgase wird der Tiersektor für 18 Prozent der Emissionen verantwortlich gemacht (FAO 2006, S. 132), die sich wie folgt verteilen:
Abb. 1: Verteilung der Treibhausemissionen aus der Tierhaltung; Quelle: Lancet 2007, zit. in Vegi-Info 47/2007, S. 4

Dieser Anteil – er wurde Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) im Jahre 1992 noch auf 9 Prozent geschätzt (vgl. IPCC 1992), in einer Studie des WorldWatch Institute von 2009 ist sogar von 51 Prozent die Rede (vgl. WorldWatch 2009) – ist damit höher als jener der globalen Wegtransporte, über den in den allermeisten Studien über Ursachen und Auswirkungen der Klimaerwärmung in erster Linie berichtet wird. Zusätzlich gehen 8 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs auf Kosten der Viehwirtschaft.
Konsequenzen
Angesichts dieser Befunde dürfte ausser Frage stehen, dass Herstellung und Konsum tierlicher Produkte eigens zu thematisieren sind, wenn es um Überlegungen zur Verursachung und Reduzierung der Treibhausgase geht.
Dazu gehört eine grundsätzliche Diskussion der subventionierten Herstellung tierlicher Produkte sowie eine Neubewertung der Verantwortung für sog. graue Treibhausgase. Damit sind Emissionen gemeint, die in anderen Ländern bei der Herstellung von Gütern anfallen, welche ins eigene Land importiert werden. Bezogen auf die Herstellung sowie den Transport tierlicher Produkte und Futtermittel aus Entwicklungsländern dürften Emissionen dieser Art bei der Bewertung eine erhebliche Rolle spielen.
Vor allem aber ist es an der Zeit, eine sachliche und ausgewogene Evaluation der Auswirkungen einer rein pflanzlichen, also veganen Ernährung auf die Umwelt voranzutreiben und die Ergebnisse für eine breite Öffentlichkeit verfügbar zu machen.
So wurde – um bloss zwei Beispiele zu nennen – in einer Studie der Universität Chicago (Eshel & Martin 2006) die amerikanische Durchschnittskost mit anderen Ernährungsformen verglichen, bei denen die Zusammensetzung der Fleisch- bzw. Fischarten variierte, sowie mit der ovo-lakto-vegetarischen Kostform. Zum Vergleich für alle untersuchten Kostformen diente eine rein pflanzliche, also vegane Ernährung. Im Resultat zeigte sich, dass Ernährungsweisen mit viel Rindfleisch am stärksten klimabelastend sind, gefolgt von der amerikanischen Durchschnittskost, der fischreichen Kost sowie der ovo-lakto-vegetarischen Ernährung. Dabei stellten die Fachleute fest, dass die amerikanische Durchschnittskost pro Person und Jahr rund 1.5 Tonnen CO2-Äquivalente mehr verursacht als die vegane Ernährung (Eshel & Martin 2006, S. 13).
In einer Studie der Universität Giessen wurden drei unterschiedliche Ernährungsweisen hinsichtlich der Treibhauswirkung untersucht, und zwar unter dem Aspekt konventioneller sowie ökologischer Lebensmittel (vgl. Hoffmann 2002). Demnach kann man mit der bio-veganen Ernährung gegenüber einer Mischkost mit konventionellen Lebensmitteln nahezu 65% der Treibhausgas-Emissionen einsparen kann (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Treibhausgas-Emissionen (CO2-Äquivalente in kg) von verschiedenen Ernährungsstilen pro Person und Jahr (VWE = Vollwert-Ernährung nach Giessener Konzeption); Quelle: Hoffmann 2002, S, 331 (in Koerber et al. 2008)

Diese und andere Studien zeigen, dass auch die Umstellung der Ernährung auf eine pflanzliche Kost unbestritten einen bedeutsamen Schritt in Richtung Klimaschutz darstellen würde – zumal der Konsum tierlicher Produkte auf dem Hintergrund der obgenannten Fakten nicht weiter als eine Privatangelegenheit gelten darf (vgl. WorldWatch Magazine 2004).

Quellen
BAFU (2008), Umwelt: Herausforderung Klima, Bundesamt für Umwelt, Solothurn.
BUWAL (2002), Mitteilung zur Luftreinhalte-Verordnung LRV Nr. 13, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landwirtschaft, Bern.
Eshel, G. & Martin, P. A. (2006), Diet, Energy and Global Warming, in: Earth Interactions 10/2006.
FAO (2006), Livestock’s Long Shadow, Rom.
FAOStat (2008), FAO Statistics Division: Data Archives, Rom.
Hoffmann, I. (2002), Ernährungsempfehlungen und Ernährungsweisen – Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft, Giessen.
Holm, J. & Jokkola, T. (2009), Die Tierindustrie und das Klima, Stockholm.
IPCC (1990), Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC, First Assessment Report, Genf.
IPCC (1992), Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC, Supplement, UNEP/WMO, Genf.
Koerber, K. von et al. (2008), Globale Ernährungsgewohnheiten und -trends, Expertise für das Hauptgutachten „Welt im Wandel: Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Berlin.
Mackensen, H. (2008), Die Kuh als Klimasünder?, in: Der kritische Agrarbericht 2008.
Margulis, S. (2004), Causes of Deforestation of the Brazilia Amazon, World Bank Working Paper No 22.
Menzi, H. & Achermann, B. (2009), Für die einen Emissionen, für die anderen Verluste. In: Schweizer Bauer vom 26. September 2006 (Dossier Ammoniakverluste).
NAT/384 (2008), Klimawandel & Landwirtschaft in Europa. Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sonderausschusses, Brüssel.
Paustian, K. et al (2006), Agriculture’s Role in Greenhouse Gas Mitigation, Washington.
Pendos CO2-Zähler (2007): Die CO2-Tabelle für ein klimafreundliches Leben, Zürich, München.
Pimentel, M. & Pimentel, D. (2003), Sustainability of Meat-Based and Plant-Based Diets and the Environment, in: American Journal of Clinical Nutrition 78/2003.
Rahmstorf, S. (2006), Fact-Sheet zum Klimawandel, Potsdam.
Reichholf, J. H. (2006), Der Tanz um das goldene Kalb, Berlin.
Rifkin, J. (1992), Das Imperium der Rinder, Frankfurt a. M. 2001 (engl. Original 1992).
Schlatzer, M. (2007), Klimawandel: Tierisch gut?, in: vegan.at 9/2007.
Smil, V. (2002), Worldwide transformation of diets, burdens of meat production and opportunities for novel food proteins, in: Enzyme and Microbial Technology 30/2002.
Steger, S. (2005), Der Flächenrucksack des europäischen Aussenhandels mit Agrarprodukten: Welche Globalisierung ist zukunftsfähig?, Wuppertal.
Stern, N. (2006), Review on the Economics of Climate Changes (deutsche Zusammenfassung). Government Economics Service of United Kingdom.
StMUGV (2007), Lebensmittel: Regional = Gute Wahl, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, München.
SVV (2008), Ökologische Folgen des Fleischkonsums. Broschüre der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus (SVV).
WorldWatch Magazine (2004): MEAT – Now, It’s Not Personal!
WorldWatch (2009), Lifestock and Climate Change, WorldWatch Institute, November / Dezember 2009.
WWF (2007), Methan und Lachgas – Die vergessenen Klimagase, WWF Deutschland, Berlin.
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Weitere Info-Dossiers und Materialien zum Thema
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- Info-Dossier Nr. 6/ 2009 Soja
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- Rinder im Abgastest, von Klaus Petrus / tier-im-fokus.ch
- Nicht Fisch! Nicht Fleisch! Aber Milch?, von Klaus Petrus /tier-im-fokus.ch
- Global Warming: Climate Change and Farm Animal Welfare von Martin Usborne (2008, Compassion in World Farming)
- Umwelt und Nachhaltigkeit (Materialien von Compassion in World Farming, englisch)
- Vegan Organic Network
- Global Footprint Network (international)
- Footprint: der ökologische Fussabdruck (persönlicher Footprint-Rechner)
- Öko-Institut e.V.
- Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)
Videos und Filme - Earthlings (Film über Nutztierhaltung von Shaun Monson 2005, 95 Min. mit deutschen Untertiteln)
- Meet Your Meat (Video von People for an Ethical Treatment of Animals (Peta) 2005, 12 Min. deutsch)
- Der durstige Planet – Wasser für Nahrung (Flim von Timur Dien 2003, ca. 25 Min.)
- Fleisch und Klima (Film von Nobert Haberger 2009, ca. 5 Min.)
Anmerkung: Zugriff auf externe Links im Januar 2010
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