Das kurze Leben der “Nutztiere”
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von tier-im-fokus.ch (tif) // 22.06.2010

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Das “Wohlergehen” der Tiere wird gross geschrieben in Ländern, in denen der Tierschutz etwas zählt. So auch in der Schweiz: “Wer mit Tieren umgeht, hat für ihr Wohlergehen zu sorgen”, steht in den Grundsätzen des Tierschutzgesetzes geschrieben.
Artgerecht sollen sie leben dürfen, ihren natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen gemäss. Jedenfalls “soweit es der Verwendungszweck erlaubt”, wie es im Gesetz einschränkend heisst.
Doch was bleibt eigentlich vom Wohl der Tiere übrig, wenn wir unsere “Verwendungszwecke” – Ernährung, Bekleidung, Forschung, Unterhaltung, Luxus – an sie herantragen und sie nur noch als “Nutztiere” gebrauchen?
Wie selbstverständlich und als würden solche Prozeduren das Wohl der Tiere nicht beeinträchtigen, werden sie sich selbst entfremdet, sie werden nummeriert, sozial beraubt, zwangsbesamt, eingesperrt, ausgestellt, gemästet, verfrachtet, geschlachtet und verarbeitet. Zuchtprogramme und Hightech im Stall optimieren am Laufmeter den Nutzen dieser “Ressourcen”, deren einziger Sinn und Zweck es offenbar ist, für uns da zu sein und von uns fast nach Belieben ausgebeutet zu werden.
Wenn das Wohlergehen der Tiere überhaupt zählt, dann ist es für uns ein Gradmesser ihrer Produktivität: 300 Eier wollen wir von einer Henne in einem Jahr, 500 Kilogramm Lebendgewicht von einem Mastrind, 7.000 Liter Milch von einer Kuh, im Minimum. Wir haben das Dasein dieser “Nutztiere” längst in reine Arbeitszeit verwandelt.
Dass die allermeisten von ihnen nur einen Bruchteil ihrer eigentlichen Lebenserwartung erreichen, dürfte uns nicht mehr bewusst sein. Sicher, Kälber leben kurz, Lämmer ebenso, das wissen wir. Aber Hühner, Schweine und Rinder?
Kaninchen sind bereits nach 10 Wochen “schlachtreif”, Enten nach 3 Monaten, Nerze auf Pelzfarmen werden nach 7 Monaten vergast. Dabei könnten all diese Tiere 10 Jahre oder älter werden. Dass ihre Lebensdauer derart beschnitten wird, gilt von offizieller Seite übrigens nicht als Tierquälerei – und wird auch von den KonsumentInnen offenbar nicht als solche empfunden. Vielmehr gehört diese Tatsache zur Normalität eines kühl kalkulierten Verwertungssystems, das empfindungsfähige Wesen schleunigst und effizient in Gebrauchsartikel verwandelt.
Ein langes und möglichst selbstbestimmtes Dasein zählt jedenfalls nicht zum viel zitierten “Wohlergehen” der Tiere.
Durchschnittliche “Nutzungs- und Lebensdauer” von Tieren im Verhältnis zu ihrer Lebenserwartung in gerundeten Prozenten (für die Lebenserwartung dieser Tiere in Jahren siehe Kasten unten)
42.0%
Mutterschaf
42.0%
Milchziege
30.0%
Zuchtschwein
20.0%
Milchkuh
12.0%
Legehuhn
8.0%
Lamm (Schaf)
6.5%
Stier
6.0%
Nerz (Pelztier)
5.0%
Mastschwein
4.0%
Mastrind
2.5%
Gans
2.5%
Lamm (Ziege)
2.0%
Kalb
2.0%
Ente
2.0%
Mastkaninchen
1.5%
Pute
1.0%
Masthuhn
0.0%
Küken
Die Angaben zur Lebenserwartung variieren in Abhängigkeit von Tierarten und Rassen. Die nachfolgenden Zahlen bemessen sich nicht nach einem Leben von “wilden Tieren in Freiheit” (Ausnahme: Nerze), sondern beruhen auf Daten über domestizierte “Nutztiere”, die unter semi-natürlichen Bedingungen gehalten werden.
Rind
Lebenserwartung 25 Jahre
Nutzungsdauer Stier 18 bis 20 Monate
Nutzungsdauer Milchkuh 4 bis 5 Jahre
Nutzungsdauer Mastrind 12 Monate
Nutzungsdauer Kalb 6 Monate
Schwein
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer Zuchtschwein 3 Jahre
Nutzungsdauer Mastschwein 6 Monate
Schaf
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer Mutterschaf 5 Jahre
Nutzungsdauer Lamm 4 bis 12 Monate
Ziege
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer Milchziege 5 Jahre
Nutzungsdauer Lamm 10 bis 15 Wochen
Kaninchen
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer Mastkaninchen 10 Wochen
Huhn
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer Legehuhn 17 Monate
Nutzungsdauer Masthuhn 3 bis 8 Wochen
Nutzungsdauer männliche Küken wenige Stunden
Pute
Lebenserwartung 15 Jahre
Nutzungsdauer 8 bis 12 Wochen
Ente
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer 10 Wochen
Gans
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer 16 Wochen
Nerz
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer Pelztier 7 Monate
Quellen: Tierpark Arche Warder // Norbert Benecke: Der Mensch und seine Haustiere (Stuttgart 2000)
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Dienstag, 12. Oktober 2010 um 17:03
Nutztier ist ein seltsamer Begriff, aber entspricht der Wahrheit. Ob für ein Steak, Bratwurst, Mäntel, für den Winter, wir brauchen Nutztiere.
Donnerstag, 6. Oktober 2011 um 11:47
@ Franziska: Wir brauchen keinesfalls Tiere für die Herstellung von Steak, Bratwurst usw.
Es gibt genügend vegane Alternativen aus Seitan, Tofu, Lopino.
Donnerstag, 6. Oktober 2011 um 17:54
UND “Nutztiere” gibt es nicht, die hat sich der UNmensch GEMACHT!! “Ob für ein Steak, Bratwurst, Mäntel, für den Winter, wir brauchen Nutztiere.”
Denk mal etwas mehr über die Realität nach!!! Versetz Dich mal in deren Lage!! Nur weil sie anders aussehen, eine andere Sprache sprechen, aber Du sie nicht verstehen willst, heisst es nicht, dass sie keinen Schmerz oder Freude verspüren können!! SOOOO viele UNmenschen ohne Empathie auf dieser Welt, daher soviel Grauen und Leid! Nicht nur für Tiere…
Donnerstag, 19. Juli 2012 um 14:47
Sehr guter, kurz und treffend formulierter Artikel. Danke, Wörter wie ‘Gebrauchsartikel’ und ‘Verwendungszweck’ werde ich in meinen Diskussionen mit Kadaveressern benutzen.
Danke auch für die Statistik.