Unsere Themen

  • Mensch und Tier

    Über ethische Dimensionen der Mensch/Tier-Beziehung. » mehr

  • Nutztierdasein

    Über das Leben von Tieren im Dienste des Menschen und angebliche Alternativen. » mehr

  • Ă–kologie

    Über die ökologischen Folgen der Nutztierhaltung und was man dagegen tun kann. » mehr

  • Ernährung und Konsum

    Über unser Konsumverhalten in einer Welt, in der Tiere Gebrauchsartikel sind. » mehr

Jedem Tierschutzgesetz seinen Anwalt

// tier-im-fokus.ch // Printservice
Copyright: tier-im-fokus.ch
URL dieser Seite: www.tier-im-fokus.ch/mensch_und_tier/tierschutzanwalt

Drucken // Senden

von tier-im-fokus.ch (tif) // 12.02.2010

Am 7. März 2010 stimmt die Schweiz ĂĽber die EinfĂĽhrung von Tierschutzanwälten ab. Bundesrat und Parlament sind dagegen: Die eidgenössische Volksinitiative sei “unnötig und ĂĽberholt”, lässt Bundespräsidentin Doris Leuthard verlautbaren. Wieso eigentlich?

paragraph

Foto © tier-im-fokus.ch

Die vom Schweizer Tierschutz (STS) lancierte Tierschutzanwalt-Initiative ziele am Punkt vorbei, lautet ein Argument der gegnerischen Seite: Tierschutzanwälte können Tierquälereien ohnehin nicht verhindern, da sie erst nach der Tat zum Zuge kommen. Deshalb “nĂĽtzen sie den Tieren nichts”, schreibt das Komitee “Nein zur nutzlosen Tierschutzanwalt-Initiative”. Man will keine neuen “Stallvögte”, bloss das nicht.

Statt auf Anwälte solle man vermehrt auf Prävention, also auf Ausbildung und Aufklärung der Tierhalter setzen, meint auch Bundespräsidentin Doris Leuthard. Als ob auch die beste Prävention eine konsequente Strafverfolgung ersetzen könnte! Und nur darum geht es in dieser Initiative: Wer geltendes Tierschutzgesetz verletzt, soll zur Rechenschaft gezogen werden. In jedem Fall dürfen die Vergehen nicht mangels Zeit, Geldes oder fehlenden Sachverstands ungeahndet bleiben.

Dass Tierquäler in der Schweiz nur selten vor Gericht zitiert werden und es selbst dann häufig in einem Schnellverfahren zu einer StrafverfĂĽgung mit kleiner Busse kommt, ist belegt: 200 Franken fĂĽr das TotknĂĽppeln eines Hundes, 150 fĂĽr das Schächten eines Schafes und ĂĽberhaupt keine Sanktionen fĂĽrs Ersäufen einer Katze im hauseigenen Lavabo – alles Beispiele, die offensichtlich gegen das oberste Prinzip eines der “schärfsten Tierschutzgesetze” der Welt verstossen: Niemand darf einem Tier ungerechtfertigt Leiden zufĂĽgen!

Im Grunde ist es bemerkenswert, dass die Institution des Tierschutzanwalts nach Inkrafttreten des neuen Tierschutzgesetzes im September 2008 nicht bereits fest verankert ist. Neu an diesem Gesetz ist nämlich nebst anderem der Zusatz in Art. 4 Abs. 2 TSchG, demzufolge niemand die WĂĽrde des Tiers missachten darf. Eine Verletzung der TierwĂĽrde gilt gemäss Art. 26 TSchG als Tierquälerei. Unter “WĂĽrde” wird in Art. 3 TSchG der “Eigenwert” von Tieren verstanden, den es zu respektieren gilt, was u.a. ausschliesst, dass Tiere “ĂĽbermässig instrumentalisiert” werden dĂĽrfen.

So unbestimmt diese Rechtsbegriffe auch sein mögen: Mit dem Schutz der Tierwürde wird im Schweizerischen Tierschutzgesetz aufs Neue beteuert, dass Menschen gegenüber Tieren direkte Pflichten haben. Und dass eine Verletzung dieser Pflichten mitnichten eine Bagatelle ist. Schon deshalb steht eine effiziente und effektive Verfolgung von Tierschutzdelikten ausser Frage.

Falls Tierschutzanwälte dazu beitragen können, dass dies besser gelingt als bis anhin (und die verfügbaren Daten scheinen das zu bestätigen), ist der Initiative zuzustimmen – vorausgesetzt, man stellt sich hinter die Grundsätze unseres Tierschutzgesetzes.

Hingegen sollte man nicht glauben oder nur schon darauf hoffen, dass sich Tierschutzanwälte fĂĽr die “Rechte der Tiere” einsetzen werden, wie hier und dort plakativ zu lesen war. Der Grund ist denkbar einfach: Auch in der Schweiz haben Tiere keine Rechte!

Zwar wird man nicht müde zu betonen, dass Tiere seit März 2003 keine Sachen mehr sind. Tatsache bleibt, dass sie nach wie vor den geltenden Normen des beweglichen Eigentums unterliegen (Art. 713ff. ZGB). Tiere gehören nicht sich selbst, sie gehören uns, sie sind unser Eigentum. Und als Eigentum unterstehen sie der alleinigen Herrschaft ihres Eigentümers, der in den Schranken der Gesetzgebung frei über sie verfügen darf.

In diesem Sinne sind denn auch Tierschutzgesetze zu verstehen: Ihre Aufgabe ist es, den Umgang des EigentĂĽmers mit seinem Eigentum, den Tieren, zu regeln. Und weil unser Tierschutzgesetz den Tieren keine Rechte einräumt, werden auch Tierschutzanwälte letztlich vor allem fĂĽr uns Menschen da sein: Sie sollen Missbräuche unseres unhinterfragten “Rechts am Eigentum Tier” ahnden.

Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

Links zum Thema

↑Top

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln.

*wird nicht angezeigt

www.tier-im-fokus.ch läuft unter Wordpress
Verwendetes Themes: Nature / Gestaltung und Anpassung: Roger Furrer